Mein Vater, Jahrgang 1928, entdeckte nach seiner Pensionierung die Welt der Kunst für sich. Es wurden Bücher über sämtliche wichtigen Maler und Kunststile angeschafft, dazu Pinsel und Farben. Hinzu wurde jede Menge “Malpapier” gesammelt. Letzteres war nicht etwas ein Malblock, wie wir ihn noch aus vergangenen Schulzeiten kennen. Nein. Mein Vater war sparsam und sammelte daher Kartons und Papiere in jeder Form. Die Rückwand eines Jahreskalenders war für ihn genauso perfekt zum Malen, wie die Rückseiten einzelner Kalenderseiten. Jede Pappschachtel wurden aufgeschnitten und in einzelne Seiten zerlegt. Einlegeblätter von neu gekauften Textilien kamen ebenso auf den Blätterstapel.
Was das Knausern am Malpapier angeht, stand mein Vater beileibe nicht alleine da. Welcher (unentdeckter) Künstler konnte jemals aus dem Vollen schöpfen? Selbst Picasso und Renoir begannen arm. Da wundert es auch nicht, wenn Kunstmaler aller Zeiten als Malgrund alles akzeptiert haben, was ihnen vor den Pinsel kam. Die Folge: Kaum ein Gemälde entspricht einem gängigen DIN-Format. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Suche nach einem passenden Bildrahmen.
Bilderrahmen in Standardgrößen führt jedes Fotogeschäft. Eine Rahmenhandlung, die noch in der Lage ist, hochwertige Bilderrahmen nach Maß anzufertigen, sind dagegen rar gesäht (rahmenversand.com ist eine rühmliche Ausnahme). Dabei ist der Bilderrahmen nach Maß überall nötig, wo Gemälde und Kunstdrucke in besonderen weil originalen Formaten vorliegen. Bei echten Kunstwerken ist das eher die Regel, denn Ausnahme.
Das Leben als “Kunstmaler” dauerte bei meinem Vater nicht lang. Was blieb waren zahlreiche Bilder, die nicht jedem gefallen und auch nicht gefallen müssen. Doch immerhin hat er seine besten Stücke richtig gut und schön gerahmt. Maßgeschneidert – weil sich seine Kunst eben nie an handelsübliche Rahmenformate hielt.

