Wir sind umgeben von Bildern. Auf jeder Seite im Internet, fliegen sie uns entgegen. Wir erstellen Fotoalben auf der Festplatte des eigenen PCs und in virtuellen Showrooms. Wir versenden Fotos der lieben Kleinen per E-Mail an Oma, Hinz und Kunz. Wir bloggen aktuelle Bilder aus Haus, Garten und Büro, zeigen uns sogar als Avatar. In Sekunden versendet Twitter für uns die neuesten Schnappschüsse rund um die Welt und per E-Mail erscheinen die Bilder gleichzeitig bei Posterous und anderen Web-Zwo-Punkt-Null-Communitys. Digitale Bilderrahmen Bilderschauen – bis zum Erbrechen oder bis sein Chip den Geist aufgibt.
Mir wird schwindlig bei dem Gedanken, wo in fünf Jahren all die Bilder sind. Mit Sicherheit habe ich bis dahin einen neuen Rechner. Der digitale Bilderahmen ist hinüber. Und ob es Web-Zwo-Punkt-Null-Communitys von heute noch gibt und wenn ja, welche, steht in den Sternen. Internetangebote kommen und gehen und überall steht drin, die Nutzung geschieht auf eigene Gefahr. Das heißt, alle Bilder sind im Grunde ständig in Gefahr, für immer verloren zu gehen. Einfach so.
Ich muss gestehen, den Gedanken, meine Bilder zu verlieren, beschäftigt mich immer öfter. Früher war das anders. Man klebte Fotos der Kinder brav ins echte Fotoalbum und die besonders guten Porträts vom Fotografen wurden schön gerahmt und an einem Ehrenplatz aufgehängt. Omas und Opa wurden zu Weihnachten mit gerahmten Bilder ihrer Enkel bedacht und egal wie erwachsen “die lieben Kleinen” inzwischen sind: Ihre Kinderporträts haben noch immer ihren Ehrenplatz. Aus guten Gründen. Denn mit jedem Blick auf alte Fotos, erinnern wir uns an Zeiten, Geschichten und Menschen, die längst vergangen sind.

Auf der Fahrt von Düsseldorf nach Heidelberg
Weil das so ist, sind echte Fotos und echte Bilder so unentbehrlich und zeitlos wie seit Generationen. Moderne Fotopapiere versprechen 70 Jahre und länger ihre Farben zu behalten. Ob es klappt, werde ich nicht mehr erleben. Wenn ich jedoch die Fotoalben meiner Elter und Großeltern betrachte und dazu die alten gerahmten Familienbilder an der Wand, bin ich guter Dinge. Es sind allesamt wichtige Werte, von bleibender Erinnerung. Hochgeschätzte Kostbarkeiten, bewahrt für die kommende Generation(en).