Bilderrahmen - Bilder, Kunst und Accessoires perfekt inszeniert

 

 
6. April 2009

Neulich beim Nachbarn: Die Krokusse vor der Haustür blühen so schön. Der Herr von gegenüber zückt seine Ritsch-Ratsch-Fertig-Digicam, stellt sich in der Mittagssonne mit zwei Metern Abstand vor sein bunt blühendes Blumenbeet und zack ist das Foto im Kasten. Ich habe es nicht gesehen und ich möchte wetten, wenn der Nachbar sein Werk später mal am Bildschirm oder als echtes Foto ansieht, wird er maßlos enttäuscht sein. Denn nichts ist zu sehen von seiner heiß geliebten Blütenpracht. Warum das so ist und was Sie tun können, um bessere Blumenbilder zu schießen, wird hier erklärt.

1. Die technische Ausrüstung

Der Fotograf macht das Foto, nicht die Kamera. Meistens. Einzige Einschränkung ist: Es sollte möglich sein, die Blende auch manuell einzustellen. Wenn ihre Kamera alles nur automatisch macht, sind sie ihr hilflos ausgeliefert und werden nicht alle der folgenden Tipps nicht umsetzen können. Schade drum. Achten Sie also beim Kauf einer neuen Digitalkamera darauf, dass sie nicht nur die angeblich bequeme Automatik anbietet, sondern auch das manuelle Bedienen erlaubt.

Außerdem benötigen Sie: ein Stativ, das das Gewicht Ihrer Kamera plus Objektiv sicher halten kann. Wobei die Auswahl eines Stativs gar nicht so einfach ist. Denn: Wirklich stabile, standfeste Stative sind oft zu schwer und zu unhandlich, um sie auf lange Fototouren mitzunehmen. Es sei denn, Sie kaufen ein ultramodernes Stativ aus Carbon oder ähnlich leichtem Material. Diese wunderbaren Stative sind allerdings recht kostspielig. Hinzu kommt in jedem Fall ein Stativkopf (auch das ist fast eine Wissenschaft für sich). Egal für welches System Sie sich entscheiden: Eine Wechselplatte sollte unbedingt dabei sein. Sie erleichtert das schnelle Aufsetzen der Kamera und ist im Grunde unentbehrlich.

Wenn Sie gerne bodennahe Dinge, beispielsweise Blumen, fotografieren, sollten Sie darauf achten, dass Ihr Stativ tief runter kann und sich mit wenigen Handgriffen auf alle Fotografierhöhen und Untergründe einstellen kann. Selbstverständlich ist das leider nicht. Finger weg von 20 Euro Billigststativen: Sie taugen allesamt nichts. Die Ausnahme davon folgt jetzt:

2. Die Trick-17-Zusatz-Fotoausrüstung für den Hobbyfotografen.

Der Bohnensack. Dieses “Stativ” kann man inzwischen sogar im Fotohandel kaufen. Es ist eine Art Kissen aus Kunstleder oder Stoff, das mit Granulat gefüllt ist und das gerne für bodennahe Aufnahmen als Stativersatz verwendet wird. Die Kaufversion hat sogar eine fest montierte Einheit für die Wechselplatte. Wirklich nötig ist das nicht. Mein ultimativer Tipp für sparsame Fotofreunde: Nähen Sie sich einen Baumwollsack (etwa 30 x 30 cm) und füllen Sie ihn locker z.B. mit Seramis, Sand, getrockneten Hülsenfrüchten, Reis o.ä. Was zählt ist Flexibilität. Der Sack muss einiges aushalten, sollte sich dennoch schön an dem Untergrund anschmiegen und so der Kamera festen Halt bieten. Wenn Sie nicht nähen können: Ein kleiner Kissenbezug oder eine kleine Baumwolleinkaufstasche tun es auch. Füllen Sie das Säckchen locker mit dem Granulat und verknoten Sie es fest oder nähen Sie den Sack einfach zu. So schwer ist das wirklich nicht.

3. Licht- und Zeitfaktor

Frühmorgens und am späten Nachmittag bzw. am frühen Abend ist das Licht für stimmungsvolle Gartenfotos am schönsten. Es gelingen sogar Gegenlichtaufnahmen, die nicht komplett schwarz versumpfen, sondern schöne Lichtreflexe zaubern. Mittags ist das Licht an sonnigen Tagen leider viel zu grell. Es entstehen tiefe Schatten auf der einen Seite und “ausgefressene” Reflexe auf der anderen.

Zudem sind frühmorgens frisch aufgeblühte Blumen einfach am schönsten. War die Nacht feucht und kühl, liegen oft noch ein paar Tautropfen auf den Blütenblättern und machen das Fotomotiv zusätzlich interessant.

4. Abstand und Perspektive

Das menschliche Auge ist ein Wunderwerk. Im blühenden Garten wandert es von einem Farbklecks zum anderen und das Gehirn speichert alles zusammen als “Oh wie herrlich, es ist Frühling” ab. Die Kamera kann das leider nicht. Sie sieht was sie sieht und zeigt genau das: Wenige kleine bunte undefinierbare Kleckse und drum herum viel Braun und Grau. Der Nachbar von gegenüber hat eine Handvoll Krokusse fotografiert – und dazu eine graue Beeteinfassung, graues Pflaster und ein Stück des ockerbraunen Haussockels war bestimmt auch noch dabei. Dazu die Blumenerde des Beets und das Gestrüpp vom letzten Jahr. Sie merken es: Wer besser fotografieren will, achtet auf Details.

Auf Augenhöhe mit der Blüte

Blumen von oben herab zu fotografieren ist eine Unsitte, die leider weit verbreitet ist. Durch diesen Blickwinkel entstehen gleich zwei “Problemzonen”.

a. Vermeiden Sie unruhige Hintergründe.

Um richtig schön zu wirken, müssen Blüten freigestellt vor einem ruhigen Hintergrund erscheinen. Dieses Freistellen erreichen Sie nur durch eine möglichst groß eingestellte Blende (kleine Blendenzahl) und mit genügend Abstand zum nächsten Objekt / Hintergrund. Fotografieren Sie von oben, ist das nächstliegende Objekt zumeist die Erde des Blumenbeets und bei kleinen Blumen ist der Abstand von Natur aus viel zu gering, um so den Effekt des Freistellens zu erreichen.

b. Vermeiden Sie den starren Blick von oben in die Blüte.

Natürlich ist es manchmal reizvoll, das bizarre Innenleben einer Blüte zu zeigen. Mit einem guten Makro-Objektiv und einer Vergrößerungslinse entdecken Sie so oft spannende komplexe Strukturen und Farben im Inneren der Blume. Normale Consumer-Digitalkameras leisten das leider nicht. Abgesehen davon ist es viel reizvoller, das natürliche Erscheinungsbild der Blume zu zeigen. Also mit Blättern, Stiel und dem gesamten Wuchsbild.

Das heißt für Sie: Begeben Sie sich mit der Kamera auf die Höhe der Blüte und achten Sie unbedingt auf einen ruhigen Hintergrund. Sollten andere Gräser, Stiele oder Objekte den Hintergrund durchkreuzen, wechseln Sie entweder den Standpunkt oder schieben Sie störende Bildelemente einfach aus dem Fokus. Hilfreich dabei: ein Stock oder bisweilen auch ein Messer. Letzteres hat die Blumenfotografin ohnehin stets dabei.

Zwei Krokusse tanken Sonnenlicht

c. Nehmen Sie einzelne Blumen oder kleine Gruppen ins Visier.

Eine einzige Blume sagt mehr als 1000 Blüten. Oder sagen wir es so: Wenn Sie Frühling zeigen wollen, genügen schon zwei, drei Krokusse. Mehr Krokusse verstärken nicht die Bildaussage, sondern verwässern. Zudem entdecken Sie das Reizvolle der Krokusse ohnehin nur aus der Nähe. Da sind die orangen Staubblätter, die einzelne Pollen tragen, die feinmaserige Textur der Blütenblätter, die zarten oder kräftigen Farben, die becherartige Form und mit etwas Glück eine Biene, die nach Nektar sucht.

d. Wählen Sie eine große Blende.

Um Blumen vor einem Hintergrund optisch freizustellen, müssen Sie eine möglichs große Blende einstellen. Manche Kameras habe speziell dazu ein Makro-Programm. Wenn vorhanden, wählen sie dieses. Besser ist natürlich, wenn Sie selbst die Blende manuell einstellen können.

Manche Fotografen rechnen Ihnen auf den Zentimeter genau aus, welche Blende vonnöten ist, um diesen oder jenden Schärfebereich zu erzielen. Fakt ist jedoch: In der Natur und in der Praxis geht nichts über Ihre Erfahrung und Ihren persönlichen Geschmack. Wichtig ist nur, dass Sie sich grundsätzlich diese drei Lehrsätze merken:

  • Größe des Aufnahmemediums (Film, Sensor): Je kleiner das Aufnahmemedium (Diagonale), desto größer ist die Schärfentiefe.
  • Brennweite: Je kleiner die Brennweite (Weitwinkelobjektiv), desto größer ist die Schärfentiefe.
  • Blende: Je kleiner die Blendenöffnung, also je größer die Blendenzahl, desto größer ist die Schärfentiefe.
  • Abstand zum Objekt: Je weiter das Objekt entfernt ist, umso grösser wird die Schärfentiefe.

Ich persönlich fotografiere im Garten am liebsten mit Offenblende (Blende 2 bis 2,8 bei einem 50 mm 1:2 Makro-Objektiv). Andere Fotografen bevorzugen größere Schärfenbereiche. Ganz anders im Fotostudio vor einem neutralen bzw. weißen Hintergrund. Da darf es ruhig Blende 20 sein, um jedes Blütendetail perfekt abzubilden.

Genug der Theorie. Schnappen Sie sich Ihre Kamera und gehen Sie mal wieder raus in den Garten. Es ist Frühling und die Blumen haben gerade erst begonnen, ihr Bestes zu zeigen. Genießen Sie die Zeit und fotografieren Sie, so viel wie möglich. Später am Monitor haben Sie dann alle Möglichkeiten, misslungene Bilder zu löschen und gute Bilder zu bearbeiten und möglicherweise noch verbessern. Das machen alle Fotografen so. Und weil heutzutage ohne elektronische Bildverarbeitung (EBV) fast nichts geht, sollten Sie bei der Gelegenheit sich auch hier einige Kenntnisse aneignen. Hilfreich dazu sind beispielsweise Lernvideos von Galileo Design und Photoshop Elements. Das Programm für EBV-Anfänger, denen Adobes Flaggschiff Photoshop zu teuer und zu mächtig ist.

Lohn der Mühe: Perfekte Blumenbilder. Auf Ihrem Monitor – und auch als entwickeltes und individuell gerahmt. Denn was nützt Ihnen die schöne Frühlingstimmung, wenn sie im Computer eingeschlossen ist. Ein florales Wandbild ist erst dann perfekt, wenn es einen passenden Bilderrahmen hat. Also dann: Viel Spaß beim Fotografieren, bei der Bildbearbeitung und bei der Auswahl des Rahmens.

Blumenbild “Zwei Sonnenanbeter”: Nature to Print
Holzrahmen “Bremen”: rahmenversand.com


4 Kommentare zu “Frühling im Bilderrahmen. So geht’s:”


  1. Petra schreibt:

    Wow!Ich finde diesen Artikel eigentlich sehr interessant.Bilder und Bilderrahmen finde ich sehr schön.Das Bild hier sieht echt gut aus.


  2. martin schreibt:

    Na, bis ich dann da meine Blume fotografieren konnte, ist sie wahrscheinlich schon verblüht ;-) Sehr gute Tipps, vielen Dank!! :-)


  3. Fiona schreibt:

    …oder eingeschneit. Meine letzten Rosen wurden gerade eingeschneit. Ist das nicht furchtbar? Nur gut, dass mein Blumenbilder-Archiv so gut gefüllt ist.


  4. Linktipps April 2009 | birgitengelhardt.de schreibt:

    [...] tolle Guides zur Makrofotografie: 1 – 2 (danke an naturetoprint für die [...]



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